Meine Erfahrungen beim Bau eines Slider

Wofür braucht man eigentlich einen Slider? Da Sie diesen Bericht hier lesen, haben Sie sich die Frage sicher längst selbst beantwortet. Wenn man langsame Kamerafahrten dosiert einsetzen will oder muss, oder wenn Zeitrafferaufnahmen mit einer DSLR-Kamera einen besonderen Effekt erfordern, ist ein Slider die erste und einzige Wahl die man hat. Die zweite Option ist ein motorisierter Slider, der möglichst mit einstellbarer Geschwindigkeit von der einen Seite zur anderen fährt und dies möglichst langsam. Auf einigen Seiten im Internet finden sich mehr oder weniger gute Bauanleitungen für Slider und Motorslider, dort habe ich auch  meine ersten Informationen zum Bau eines Sliders gefunden.

Das Herz des Sliders ist nicht der Motor sondern die Gleitschiene. Zur ersten Wahl gehört hier sicher das Produkt aus dem Hause IGUS mit Gleitelementen, die es in verschiedenen längen gibt. Eine 1 Meter lange Schiene sollte den meisten Anforderungen genügen und auch noch ausreichend klein für den Outdooreinsatz sein. Die Schiene wird bereits ab Werk mit mehreren Bohrungen für Stative geliefert. Jetzt kommt auch schon der erste wichtige Tipp für jeden Bastler, da ich hier selbst erst experimentiert habe: Der Kasten für den Motor, welcher auch den Stativkopf tragen muss, sollte immer aus Aluminiumspritzguss sein. Mein erster war aus Kunststoff und hatte weder einen sicheren Halt für die Kamera, noch einen stabilen Einbau des Motors möglich gemacht. Der Stativkopf wackelte wie ein Lämmerschwanz und die Aufnahmen waren entsprechend.

TIPP: Aluminiumgehäuse verwenden und schwarz lackieren

Der Kamerakopf sollte auch, wie auf dem Foto zu sehen ist, stabil ausgeführt sein. Ich habe den Slider ursprünglich für die Sony NEX-VG10/20 gebaut, die mit ca. 1,5 kg schon kein Leichtgewicht  mehr ist, aber auch die neue Sony PMW-200 mit ca. 3 kg ist für den Kamerakopf und den Slider kein Problem.

Auf die Schiene der Firma IGUS habe ich eine Zahnstange in gleicher Länge der Firma Mädler angebracht, wozu ich aber die Hilfe einer befreundeten Firma in Anspruch genommen habe, die mir alle 20 cm ein M6 Gewinde in die Zahnstange geschnitten hat, wodurch ich diese dann mit der Gleitschiene verschrauben konnte. Dies ist nur eine Möglichkeit für eine sichere Verbindung von Metall auf Metall. Kleben wäre auch eine Option gewesen, aber Schrauben sind eben noch besser. Jeder der vier Gleiter besitzt eine eigene Bremse in Form einer kleinen Madenschraube um die individuelle Gleitwirkung zu verändern. Ich habe hier keine Veränderung an der Einstellung vorgenommen. Der Vorteil des Aluminiumgehäuses ist eine sichere Schraubenverbindung von der Schiene zum Motorengehäuse und weiter zum Stativ.

Das aufgeklappte Gehäuse erlaubt einen freien Blick auf die Mechanik. Leider konnte ich in meiner Bauphase keine brauchbare Abbildung finden und musste etwas experimentieren um die richtige Position des Motors und des Zahnrades zu finden.Den Ausschnitt im Deckel des Gehäuses durch den das Zahnrad in die Zahnstange greift konnte ich ohne große Problem mit Bohrmaschine und Feile herstellen, was ich mir schwieriger vorgestellt hatte. Außerdem hatte ich sehr viel Glück, denn das durchaus mögliche Problem einer Höhendifferenz zwischen Motor / Zahnrad / Zahnstange ist bei mir gar nicht erst aufgetreten. Durch einen glücklichen Zufall hatte die Materialstärke des Aluminiumdeckels in Verbindung mit der Motorhalterung und dem Zahnrad exakt die richtige Höhe um mit leichtem Spiel in die Zahnstange zu greifen. Ich musste keine Unterlegscheiben verwenden oder gar ein Zahnrad mit größerem Durchmesser kaufen, um den richtigen Abstand zu erhalten.

Tipp: Glück gehört zu jedem Projekt!

Als Spannungsversorgung für den Motor kam für mich nur eine mobile Batterie / Akku Lösung in Frage. Außerdem sollte natürlich die Laufrichtung des Motors und die Geschwindigkeit variabel einstellbar sein. Dazu muss der Motor von der Steuereinheit
getrennt und mittels Stecker, Buchse und Kabel verbunden sein.

Ein Spannungsregler und ein Wippschalter sind die einzigen notwendigen Bedienelemente. Die Verdrahtung des Spannungsreglers und des Wippschalters, der eine Ausführung 1-0-2 haben sollte, hat mir allerdings etwas Probleme bereitet. Ich bin kein Elektriker und konnte auch nie eine richtige Beziehung zu elektrischen Schaltungen aufbauen. Ich habe den Spannungsregler zweimal bei dem Lieferanten als defekt reklamiert bis ich dann bei dem Dritten feststellte, dass auch die Polung bei der Spannungsversorgung des Reglers eine nicht zu unterschätzende Rolle spielt.Das Batteriepack liefert 8 x 1,5 , also 12 Volt. Dessen Gefährdungspotenzial sollte man nicht unterschätzen. In der Bauphase kam es einmal zu einem Kurzschluss bei dem sich die komplette Batteriehalterung entzündet hat. Da war dann auch nichts mehr zu retten und ich musste eine neue bestellen. Also, machen Sie keine Experiment, sondern lassen Sie lieber den Profi ran. Seither bin ich vorsichtiger und nehme die Batterien nach jedem Einsatz des Sliders aus dem Kasten. Apropos Batterien: Diese entleeren sich bei der Belastung des Motors ziemlich schnell, also sollte man immer für Ersatzbatterien sorgen.

Fazit und Sicherheit: Wenn Sie sich einen der geschilderten Bauabschnitte nicht zutrauen, dann lassen Sie es lieber direkt und kaufen Sie sich einen Slider. Mein Slider hat keine Endschalter, was für mich auch keine Rolle spielt, da ich ihn nie unbeaufsichtigt betreibe. Ausserdem besteht die Gefahr, sich zwischen Zahnrad und Zahnstange die Finger einzuklemmen. Der Motor, mit seiner starken Getriebeuntersetzung macht keinen Unterschied, ob er eine Kamera einen Meter anheben soll oder ob er den Widerstand eines Fingers im Getrieb überwinden muss.

Ich hoffe mein Bericht konnte Ihnen etwas weiterhelfen. Er ist keine Bauanleitung und ich übernehme auch keine Arztrechnung, sollte diese beim Bau eines ähnlichen Slider fällig werden. Aus diesem Grund gibt es auch keine Materialliste!

Trotzdem wünsche ich natürlich viel Spaß beim Basteln und Filmen!

Alles Gute, Ralf Jung

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *